Wer Rabauken zivilisiert, bremst Abrutschen in die Kriminalität

Das Prinzip “Erziehung statt Strafe” kommt gerade einem freiheitlichen Politiker zugute. Das könnte ein Modell für viele sein.

Der Verein “Neustart” hat eine enorm wichtige Aufgabe in unserer Gesellschaft. Er resozialisiert Straffällige, kümmert sich um Opfer und arbeitet an der Prävention von Straftaten. Derzeit wirft ein aktueller Fall ein Schlaglicht auf die Arbeit des Vereins: Ein Hassposter, nebenbei freiheitlicher Politiker, wird sich in den nächsten Monaten von Experten dieses Vereins beibringen lassen, nicht mehr Hass zu versprühen, sondern sich in die Opfer seiner aggressiven Postings hineinzuversetzen. Mit anderen Worten, er wird lernen, sich zu benehmen wie ein friedlicher Mensch. Dies hat ihm ein Gericht auferlegt, statt ihn für ein besonders widerliches Posting im Internet zu bestrafen.

Das Programm “Dialog statt Hass” weist in die richtige Richtung. Wir wissen ja, dass Strafen nicht unbedingt bessere Menschen aus den Bestraften machen. Erziehung hingegen kann selbst den verstocktesten Rabauken in einen maßvollen Mitbürger verwandeln, wenn er dazu auch nur im Geringsten bereit ist. So könnte so mancher Mitbürger, vor allem aber so mancher Politiker von einem Programm viel lernen, das sich auf Mitgefühl und zivilisiertes Miteinander konzentriert.

Der Vizekanzler könnte zum Beispiel durch ein solches Programm erkennen, dass man nicht jedes miese Gerücht über angebliche Untaten von Zuwanderern gleich weiterposten soll. Es könnte sich ja herausstellen, dass die von ihm behauptete Plünderung eines Supermarkts gar nie stattgefunden hat.

Rechte Recken, ob nun deklarierte Neonazis oder Mitglieder der Vereinigung der hohlköpfigen Identitären, könnten durch einen derartigen Kurs lernen, dass niemand ein Untermensch ist, selbst dann nicht, wenn er aus Afrika stammt, Muslim ist oder bitterarm, und dass es keinen Grund gibt, sich für einen Herrenmenschen zu halten, weil man als Mitteleuropäer geboren wurde.

Linksradikale könnten lernen, dass hart erarbeitetes Eigentum kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, dass Enteignung von Einfamilienhäusern und Wohnungen niemandem nützt, sondern letztlich allen schadet, und dass das Recht auf Demonstration die Zerstörung des Eigentums anderer ausdrücklich nicht einschließt.

Fundamentalistische Anhänger von Religionsgemeinschaften könnten lernen, die Anhänger anderer Religionsgemeinschaften mit Achtung und nicht mit Hass zu betrachten. Donald Trump könnte lernen, die Medien zu konsumieren, statt sie als Volksfeinde zu verunglimpfen. Und unser Bundeskanzler könnte lernen, sich seine Freunde und Partner so auszusuchen, dass er sich nicht pausenlos für deren “Einzelfälle” von Entgleisungen genieren muss.