So mancher Nobelpreisträger ist nur noch zum Schämen

Welche Qualifikation braucht es, um über die Vergabe des Friedensnobelpreises zu entscheiden?

Wäre das Ansehen einer Person in einem Kurvendiagramm darstellbar wie die Börsenkurse, dann hätte die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 1991, Aung San Suu Kyi, in den vergangenen Wochen und Monaten einen argen Absturz erlitten. Die Frau, die damals wegen ihres beharrlichen Einsatzes für die Menschenrechte der Bewohner Myanmars vom norwegischen Nobelpreiskomitee geehrt wurde, hat sich nachträglich dieser Ehre nicht würdig erwiesen. Zunächst schwieg sie aus innenpolitischem Kalkül zur brutalen Vertreibung der Rohingya aus Myanmar. Obwohl das Elend dieser Bedauernswerten eine Zeit lang täglich in den Medien nachzulesen und zu sehen war, fand Aung San Suu Kyi es nicht opportun, ihr politisches Gewicht in die Waagschale zu werfen, um diese Not zu lindern.

Als zwei Journalisten über ein Massaker an Rohingya berichteten und die Rolle der Armee Myanmars dabei herausstrichen, wurden sie zu sieben Jahren Haft verurteilt. Nun möchte man meinen, Frau Aung San Suu Kyi hätte ein Wort der Verteidigung für diese Reporter gefunden. Irrtum, sie rechtfertigte die Haftstrafen, obwohl die Schuld der Militärs an dem Massaker selbst vor Gericht unbestritten blieb.

Die Dame hat sich von einer Hoffnung für die Menschenrechte in Myanmar zu einer Schande für den Friedensnobelpreis gewandelt. Das erinnert an einige zweifelhafte Entscheidungen jener Jury, die den Preis vergibt. Barack Obama erhielt ihn gleich nach seinem Amtsantritt, obwohl er noch nichts Konkretes für den Frieden getan hatte. Henry Kissinger erhielt ihn, obwohl er erhebliche Mitschuld am Leid im Vietnamkrieg trug. Jassir Arafat wurde ausgezeichnet, wiewohl er von echtem Frieden in Nahost und dem Existenzrecht Israels nicht viel hielt.

Das Nobelkomitee ehrte immer wieder Politiker und Institutionen, deren Aufgabe es war, für den Frieden zu arbeiten, dafür, dass sie für den Frieden arbeiteten. Ist also schon ein annehmbarer Kandidat, wer seinen Job tut, weil dieser Job halt nicht den Krieg, sondern den Frieden verlangt? Das erinnert ein wenig an die österreichische Praxis, allerlei Menschen mit goldenen und sonstigen Ehrenzeichen zu beschenken, weil sie tatsächlich und zuverlässig ihrer bezahlten Arbeit nachgegangen sind. Da fragt man sich, was denn die fünf Mitglieder dieses Nobelkomitees in Oslo antreibt – und vor allem, was sie zur Entscheidung befähigt, wer den Friedensnobelpreis verdient habe und wer nicht. Warum können das nur Norweger sein und nicht Menschen aus verschiedenen Ländern? Alfred Nobel hat in seinem Testament nichts von einer norwegischen Exklusivität gesagt. Schon eigenartig, dass in mehr als hundert Jahren niemals auch nur ein Ausländer in dieses Gremium berufen wurde, das einen Preis für Frieden und Völkerverständigung zuteilt. Nicht sehr völkerverbindend, oder?

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