Mit den falschen Methoden gegen echte Probleme

Es ist richtig und wichtig, Probleme und Schieflagen in der Entwicklung unserer Welt mit manchmal radikalen Maßnahmen anzugehen. Freilich passiert es immer wieder, dass man dabei zwar publikumswirksame Maßnahmen trifft, die aber nur wenig Effekt haben.

Der Klimawandel macht zwar nicht der Erde aber uns Menschen das Leben schwer. Reagieren wir nicht oder nicht rechtzeitig, kann das für den Bestand der Menschheit üble Folgen haben. Deshalb sind jene, die entgegen der Expertise der Wissenschaft  überheblich den Klimawandel leugnen, gefährlich. Je höher oben sie in der Hierarchie von Entscheidungsträgern sitzen, desto gefährlicher sind sie. Der stellvertretende Regierungschef eines Landes, zum Beispiel, der die Erkenntnisse der Wissenschaft in Bezug auf das Klima leugnet und seine Energie lieber auf einen eingebildeten “Bevölkerungsaustausch” konzentriert, leistet seinem vor kurzem geborenen Kind einen Bärendienst.

Es tut also gut, wenn junge Menschen die Generation der älteren Politiker mit Nachdruck und durch aufsehenerregende Aktionen darauf stoßen, wie wichtig Maßnahmen gegen den Klimawandel und zugleich zum Schutz vor dessen Folgen sind. Die Galionsfigur dieser Bewegung, Greta Thunberg, hat ein Signal gesetzt.  Sie reist nicht per Flugzeug zu all ihren Auftritten, sondern per Bahn. Damit nimmt sie in Kauf, für manche Strecke elendslang unterwegs zu sein.

So ehrbar diese Opferbereitschaft  ist, so sehr solch ein Signal gebraucht wird, um immer mehr Menschen wenigstens dazu zu bringen, dass sie sich Gedanken machen über den Fußabdruck, den sie in der Umweltbilanz der Erde hinterlassen, so sehr ist die pauschale Verteufelung des Flugverkehrs ein Weg in die Irre. In Schweden gibt es ja schon das Phänomen des “Flugschämens”. Wer dort zugibt, dass er gerne auf dem Luftweg verreist, muss auf harsche Kritik gefasst sein, die nicht selten ins Mobbing abgleitet. Dabei verursacht der Flugverkehr gerade einmal zwei Prozent des Kohlendioxids, das weltweit  produziert wird. Die Energiegewinnung stellt mit 38 Prozent den größten Brocken, der Nahverkehr auf der Straße liefert 16 Prozent allen Kohlendioxids.

So wichtig es ist, die Umweltbelastung durch Flugzeuge zu verringern, so wenig fiele eine derartige Maßnahme ins Gewicht, wenn man die Gesamtbelastung mit Kohlendioxid betrachtet. Flugzeuge sauberer zu machen ist richtig, sie hauptverantwortlich zu machen für den Umweltschmutz ist purer Umweltpopulismus.

Ein anderes Beispiel. In Frankreich setzen die Proteste der Gelbwesten dem Präsidenten Emmanuel Macron gehörig zu. Kürzlich suchte er mit einer Reihe von Versprechen den Unmut der Demonstranten zu beruhigen. Unter anderem sagte er zu, er werde die wichtigste Elitehochschule der Grande Nation zusperren, die Ecole national d’administration (ENA). Der Unmut vieler Franzosen richtet sich gegen die Freunderlwirtschaft, dank derer Absolventen dieser Hochschule sich die besten Posten in Staat und Wirtschaft sichern. Das Abschlusszeugnis der ENA ist in Frankreich das, was in den USA der Abschluss einer Ivy League Universität ist: der Eintritt ins Reich der besten und bestbezahlten Jobs.

Macron hat recht, wenn er gegen diese Praxis auftritt, allerdings erschließt sich nur schwer, wie der Verzicht auf eine Institution der Elitenbildung einem Land nützen soll. Und noch weniger ist erkennbar, welchen Nutzen jene daraus ziehen sollen, die es nicht auf diese Hochschule geschafft haben. Steigt das Gesamtwohl der Nation, wenn man verhindert, dass sich eine kleine Elite auf erstklassige Ausbildung stützen kann? Wäre es nicht vernünftiger, das Niveau anderer Bildungseinrichtungen zu heben, sodass deren Absloventen zur Konkurrenz der “Enarchen” auf dem Arbeitsmarkt der Spitzenjobs werden? Macron mag mit seiner Ankündigung so manchen Protestierer gnädiger stimmen, Probleme löst er damit nicht. Also wieder: Leerer Populismus.

Vollends ins Lächerliche rutschen jene Manager englischer Fußballclubs ab, die nunmehr ein Problem gefunden haben, wo es keines gibt. Sie wollen eine ausgelassene Form des Feierns abschaffen.  Aus Rücksicht auf Religionsbekenntnisse einzelner Spieler will man künftig große Siege – zum Beispiel im Cupfinale – nicht mehr mit Champagnerduschen in der Mannschaftskabine feiern. Ein alkoholfreies Getränk soll den teuren Sprudel ersetzen. Wie unsinnig diese Maßnahme ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass keiner der Spieler um sie gebeten hat. Außerdem ist zwar überliefert, dass der Koran den Genuss von Alkohol verbietet, dort steht aber nichts davon, dass man nicht mit dem Zeug duschen darf. Wiederum: Sinnloser Populismus, der noch dazu die Gefahr birgt, dass rechte Recken den Fußballern moslemischen Glaubens vorwerfen, sie hätten den braven Kickern mit christlich-abendländischen Wurzeln den Spaß am Cupsieg verdorben.

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