Eine intellektuell herausgeforderte Partei

Der Blick auf das Walplakat verstört zunächst einmal wegen eines Buchstaben, der kein Buchstabe ist sondern ein Kreis mit einem X darin. Schaut aus wie jenes Ringerl auf dem Wahlzettel in das man in der Wahlzelle sein Kreuz macht. Der Blick schweift links, dann rechts, erfasst die Buchstaben neben dem Kreis – aha! Da soll “voten” stehen mit einem verunstalteten O. Also wieder jemand, der glaubt es sei modern und “in” englische Wörter in die deutsche Sprache einzuführen und dortselbst so lange zu würgen, bis sie sich beugen lassen wie ein deutsches  Zeitwort. Also “voten” statt “wählen”. Dass das Plakat ausgerechnet von jener Partei stammt, die sonst gegen jede nichtösterreichische Identität wettert, kann einen zwar verblüffen, aber wundern tut es einen schon lange nicht mehr.

Und darunter geht es weiter mit den fremden Wörtern. Da steht, man solle “FPÖ voten gegen EU-Asylchaoten”. Also zwei Abkürzungen und drei Wörter, von denen eines aus einer Fremdsprache entliehen und gewaltsam eingedeutscht wurde. Das andere wurde aus zwei Begriffen zusammengesetzt, die so gar nicht zusammenpassen. “Asyl” kommt über das Latein aus dem Altgriechischen und bedeutet “Zuflucht”. “Chaot” leitet sich aus derselben Quelle und ist einer, der “ungezielt handelt”, was ja durchaus auf etliche FPÖ-Regierungsmitglieder zutrifft, wenn sie nicht gerade gezielt die Meinungsfreiheit abschaffen wollen.

Die Botschaft ist recht konfus. Mit fremden Wörtern wettert da eine Partei gegen Fremdes und das mit einer Verfremdung mitten in einem dieser Wörter, die befremdet. Ob der Autor dieses zwangsgeplagten Reims wirklich weiß, was er da anrichtet?

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