Donald Trump zeigt uns den hässlichsten aller Amerikaner

Die Arroganz, mit der der US-Präsident bei Gipfeltreffen andere Staatschefs physisch in den Hintergrund und sich selbst nach vorne drängt; der offene Rassismus des Mannes im Weißen Haus; die Ahnungslosigkeit in Bezug auf die Geschichte der USA: Das alles erinnert an einen Roman, der die dunkle Seite im Wesen der Amerikaner bloßstellte.

Viktor Hermann

Eugene Burdick und William Lederer beschrieben in ihrem Roman “The Ugly American” die herablassend überhebliche Art, mit der Amerikaner in Südostasien auftraten und wie sie im Kampf gegen den Kommunismus durch ihr Verhalten das Ringen um die “Herzen und Köpfe” der lokalen Bevölkerung verloren. Das Buch schilderte schon 1958 erstaunlich hellsichtig die Gründe für das militärische und politische Scheitern der USA in Südostasien, man könnte sogar sagen, es beschrieb auch die Gründe dafür, dass es auch im Irak und in Afghanistan nicht gelingen konnte, die “Herzen und Köpfe” der Menschen zu gewinnen.

Es scheint, als hätten all diese Gründe ihren Kristallisationspunkt in einer einzigen Person gefunden, in Donald J. Trump. Mit einem wesentlichen Unterschied: Der hässliche Amerikaner der Vergangenheit richtet seine widerliche Arroganz und seinen Rassismus nicht nur auf Länder und Völker weit weg vom amerikanischen Kontinent. Er behandelt mit derselben überheblichen Herablassung einen großen Teil der eigenen Bevölkerung. Trump schert sich nicht nur nicht darum, wie sehr er die Gesellschaft der USA spaltet, ja er treibt diese Spaltung munter voran, weil er genau weiß, dass er nur dann seine bisherige Anhängerschaft bei der Stange halten kann, wenn er ihnen immer neue, immer schrecklichere Feindbilder im inneren der US-Gesellschaft vorführen kann.

Erschreckendes Dokument dieses Verhaltens ist die hämisch vorgetragene Aufforderung, heftige Kritikerinnen seiner Politik mögen doch bitte schön in “ihre” Länder zurückgehen, um dort aufzuräumen und die dortigen schrecklichen Lebensbedingungen zu verbessern. Trump erweist sich hier gleich mehrfach als seines Amtes unwürdig.

Zum Einen hat er keine Ahnung, mit wem er redet. Denn er fordert US-Bürger auf, in “ihre Länder” zurückzugehen. Wohin sollen sie denn gehen, wenn sie in den USA geboren wurden? Er unterstellt damit Menschen mit dem, was man so unsinnig politisch korrekt als “Migrationshintergrund” bezeichnet, sie seien keine “echten” US-Bürger.

Vielleicht weiß er, zweitens, aber doch, von wem er spricht.  Dann freilich ist sein Rassismus entlarvt, denn die vier Frauen, die er ganz offensichtlich gemeint hat, haben eine etwas dunklere Hautfarbe als sein blasses Rosa. Er hätte wohl gerne ein rein weißes Amerika.

Zum Dritten vergisst Donald Trump nicht nur die Geschichte der heutigen USA, sondern auch seine eigene Familienhistorie. In einem muss man Trump recht geben: Immigranten können unter besonderen Umständen zur Plage für die angestammte Bevölkerung eines Landes werden. Als nach der “Entdeckung” Amerikas habgierige Abenteurer, die Elenden und Verfolgten, die Unterdrückten aus Europa nach Amerika einwanderten, ging das bekanntlich furchtbar schlecht aus für die dort bereits lebenden Menschen. Sie wurden belogen, betrogen, massakriert und ausgebeutet. All das bei den Vorfahren jener Leute, die heute in Panik ausbrechen, wenn die Elenden und Verfolgten aus Lateinamerika in die USA kommen, weil sie sich dort ein besseres Leben aufbauen wollen. Und der Präsident, den diese Amerikaner gewählt haben, fördert und nutzt diese Panik, verspricht, eine Mauer zu bauen, die all diese Zuwanderer abhalten kann. Und weil er mit dieser Politik bisher gescheitert ist, muss er wohl immer noch ein Schäuferl nachlegen, den Rassismus und die Xenophobie noch ein bisschen befeuern, schon um seine Chancen bei der nächsten Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zu wahren.

Donald Trump ignoriert auch seine persönliche Familiengeschichte. Denn auch er ist Spross von Einwanderern. Sein Großvater Friedrich Trump zog es vor, der möglichen Einberufung zum Militär in seiner deutschen Heimat durch Flucht in die USA zu entgehen. (Wie sehr sich die Geschichte doch wiederholt, wenn auch mit leicht verschobenen Vorzeichen: Der jetzige US-Präsident entging dem Militärdienst und einem möglichen Einsatz im Vietnamkrieg, indem er per ärztlichem Attest belegte, mit seinem Fersensporn sei er keine Bereicherung fürs US-Militär.)

Da hat sich also einer, den der heutige Donald Trump vermutlich als Feigling beschimpfen würde, wäre er nicht sein eigener Großvater, nach Amerika aufgemacht, um dort dasselbe zu suchen wie die Menschen, die dem Elend und der Gewalt in ihren Heimatländern entkommen wollen: die Chance auf ein Leben in Sicherheit und wirtschaftlichen Wohlstand.

Trumps Regierung will die Einbürgerung von Einwanderern erschweren, unter anderem, indem sie strenge Tests über die amerikanische Geschichte ablegen müssen. Er will auch kein “Gesindel” ins Land lassen, zumal er ja Mexikanern grundsätzlich unterstellt, sie seien Drogenhändler, Vergewaltiger oder beides. Das erscheint seltsam bei einem Mann, der offensichtlich wenig Ahnung von der Einwanderungsgeschichte der Vereinigten Staaten von Amerika hat und selbst von einem Drückeberger abstammt, der durch den Betrieb eines Bordells reich geworden ist.

Das Weiße Haus in Washington beherbergt derzeit einen Mann, dem kein Schmutzkübel zu schmutzig und keine Lüge zu verlogen ist, der sich keinen Deut darum schert, dass er eine Gesellschaft, die sich erst in den vergangenen Jahrzehnten mühsam aus den Tiefen eines strukturellen Rassismus herausgewunden hat, durch seinen Rassismus wieder um Jahrzehnte zurückwirft. Und das wird sich auch nicht ändern, solange dieser Lügner und Schaumschläger die republikanische Partei in Geiselhaft hält. Denn von seinen “Parteifreunden”, die ihn noch vor der Wahl 2016 allesamt für unerträglich erklärt haben, hat heute kaum einer den Mut, dem Wüten dieses Mannes Einhalt zu gebieten.

So schreibt Donald Trump – wiewohl er selbst zu längeren Texten nicht fähig zu sein scheint – ein neues Kapitel, das dem Roman “The Ugly American” hinzugefügt werden könnte. Allerdings schafft er dabei noch eine bedauernswerte Steigerung: So hässlich, so beunruhigend und besorgniserregend war bisher noch kein amerikanischer Präsident.

Leave a Reply