Die Agitation der Rechtspopulisten um „Bevölkerungsaustausch“ und „Umvolkung“

Vizekanzler Heinz-Christian Strache schlägt derzeit wild um sich und verbeißt sich in sein Lieblingsnarrativ von einem ominösen „Bevölkerungsaustausch“, der den eingeborenen Österreichern seiner Ansicht nach droht. Damit findet er sich in schlechter Gesellschaft mit all jenen rechten bis rechtsextremen Politikern, die sich in Europa überall dort mehren, wo es ihnen gelingt, Zuwanderung als Bedrohung der angestammten Bevölkerung darzustellen.

Woher kommt die Panik, die durch keinerlei Fakten begründe ist? Nicht dass Strache und die seinen sich je von Fakten hätten beeinflussen lassen, die Fixierung auf den „Bevölkerungsaustausch“ erscheint aber doch besonders befremdlich.

Strache nimmt für sich in Anspruch, dass er den Begriff „Bevölkerungsaustausch“ schon lange vor jenen Identitären verwendet habe, von denen er sich gerade mit Mühe distanziert hat. Damit hat er nur zum Teil recht. Denn das Konzept ist weit älter als er selbst. Ein Blick in die Geschichte des 20. Jahrhunderts weist darauf hin, dass es da einige Aktionen gab, die den Namen „Bevölkerungsaustausch“ oder „Umvolkung“ verdienten und unendliches Leid über die Menschen gebracht haben. Die Urheber dieser Verschiebung von Völkern zum Zweck der Überwältigung einer angestammten Bevölkerung und zur Okkupation eines Landstrichs waren freilich weder Anhänger des Islams oder einer abstrusen Globalisierungsideologie. Und schon gar nicht hatten sie ihren Ursprung an der von manchen Rechten gern beschuldigten „Ostküste“.

Nein, die „Umvolker“ und „Bevölkerungstauscher“ waren zum ersten die Nationalsozialisten, die Lebensraum im Osten besetzen wollten, damit sich dorthinein blond-blauäugige Herren breitmachen könne. Die angestammte Bevölkerung wäre nach diesen Plänen allenfalls als Sklaven der Herrenmenschen geduldet oder in Arbeitslagern zu Tode geschunden worden.

Die zweite „Umvolkung“ war eine Idee der italienischen Faschisten, die möglichst viele Italiener aus dem Mezzogiorno nach Südtirol transferierten mit der Absicht, der dortigen deutschsprachigen Bevölkerung eine italienische Mehrheit vor die Nase zu setzen. Das Ziel: Die neue italienische Mehrheit sollte die deutschsprachige Bevölkerung kulturell überwältigen und auf lange Sicht zur Assimilation zwingen.

Der dritte Umsiedler war der Kommunist und russische Nationalist Josef Stalin, der die Krimtataren nach Asien umsiedelte, um die Halbinsel Krim im Schwarzen Meer mit ethnischen Russen auffüllen zu können. Dieser Umstand kam Wladimir Putins Annexion der Krim später sicher zupass. Und es ist kein Zufall, dass des Tyrannen Stalin in Putins Russland wieder ehrenvoll gedacht wird. Ebenso ist es kein Zufall, dass ausgerechnet die FPÖ mit Putins Wahlverein „Ein Russland“ besonders enge Beziehungen pflegt.

Drei historische Aktionen des „Bevölkerungsaustausches“ geben einen Hinweis darauf, weshalb der Begriff ausgerechnet für die FPÖ so große Bedeutung hat.
Geplante, gewaltsame Verschiebung ganzer Bevölkerungsteile ist das Konzept, mit dem Nazis, Faschisten und Nationalisten gezielt Politik gegen ganze Bevölkerungsgruppen betrieben haben. Es ist nicht verwunderlich, dass sich ausgerechnet jene Partei mit dem Konzept besonders intensiv befasst, die immer wieder per massenhaftem „Einzelfall“ geistig an diese Politikkonzepte anstreift und deren gesamtes Auftreten darauf hindeutet, dass sie die demokratische Republik am liebsten in eine Demokratur unter FPÖ-Herrschaft umwandeln würde.


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