Das unverständliche Misstrauen in den Sachverstand

Beweise und Fakten reichen in unserer Zeit genereller Skepsis schon lange nicht mehr aus, um Menschen zu überzeugen.

Man möchte meinen, dass seit der Aufklärung ein klarer Trennstrich gezogen sei zwischen Ideologie und Erkenntnis, zwischen gefühlsbetonten Vermutungen und evidenzbasierter Wissenschaft, zwischen Glauben und Wissen. Tatsächlich sehen sich die Anhänger von Wissenschaft und Forschung heftigen Angriffen ausgesetzt von Leuten, die empirischen Erkenntnissen grundsätzlich misstrauen bis zu dem Punkt, dass sie die Arbeit und die Kompetenz von Experten völlig ablehnen.

Die Debatte um den Klimawandel hat mittlerweile geradezu groteske Züge angenommen. Obwohl die überwältigende Mehrheit von Forschern und Studien belegt, dass sich das Klima ändert und dass menschliches Handeln einen erheblichen Beitrag dazu leistet, gibt es noch immer Menschen, die das nicht wahrhaben wollen. Zu allem Unglück machen sich manche der Politiker diese Skepsis zunutze, um Stimmung zu machen und Stimmen einzuheimsen. Sie nutzen die der Wissenschaft innewohnenden Prinzipien gegen deren Beweise. Jedes Mal, wenn eine Erkenntnis durch empirisch gewonnene neue Daten korrigiert wird, nehmen diese Leugner des Klimawandels dies als Beweis dafür, dass am Klimawandel gar nichts dran sei. Sie selbst sind aber nicht bereit, ihre eigenen Behauptungen infrage zu stellen.

Der Streit um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat läuft ganz ähnlich. Die meisten Institute bewerten die reale Krebsgefahr durch das Mittel bei sachgemäßer Anwendung als “nicht krebserregend”. Die Krebsagentur der WHO untersuchte, ob das Mittel grundsätzlich in der Lage ist, Krebs zu erregen, und nennt es “wahrscheinlich krebserregend” (Sonnenstrahlen und Alkohol hat diese Agentur übrigens als “sicher krebserregend” eingestuft). Dank geschickten Marketings von Greenpeace und Co. reicht das, das Mittel völlig zu verteufeln – ohne wissenschaftlichen Beweis.

Genforscher können noch so oft beteuern, dass gentechnisch veränderte Pflanzen für Menschen unschädlich seien, sie werden mit dem Vorwurf niedergeprügelt, sie seien bezahlte Knechte einer Industrie, deren einziges Ziel es sei, der Menschheit zu schaden. Das Misstrauen gegen Sachverstand und Kompetenz von Wissenschaft und Forschung rührt von einem bedauerlichen Missverständnis. Jedes Mal, wenn Forscher ihre bestehenden Theorien dank neuer Erkenntnisse widerlegen, findet sich ein Kritiker, der diesen völlig normalen Vorgang für seine eigenen Zwecke missbraucht. Er behauptet, er habe den Beweis dafür gefunden, dass Wissenschaft eben keine zuverlässigen Ergebnisse liefere, weshalb man ihr nicht trauen könne. Was diese Kritiker, meist Politiker, dabei verschweigen: Ohne wissenschaftliche Forschung und ohne Experten gewinnen die Ideologen die Oberhand, die das Volk an der Nase herumführen.

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