Bis der letzte FPÖler den vorletzten aus der Partei wirft

Das Wort „freiheitlich“ gewinnt eine neue Bedeutung. Die FPÖ heißt so, weil sie sich immer öfter „frei“ machen muss von ihren eigenen Leuten.

Selbstverständlich wird Susanne Winter ihr Nationalratsmandat nicht zurücklegen, wie das die FPÖ verlangt. Immerhin ist sie ja auf der Liste der FPÖ gewählt worden, weil sie immer wieder fremdenfeindliche, islamophobe und andere Religionen beleidigende Sprüche geklopft hat. Jetzt, da sie das wieder tat (als Wiederholungstäterin sozusagen), hat man sie rausgeschmissen.

Zum Charakterbild der freiheitlichen Dame gehört es sichtlich nicht, dann auch noch auf die 8600 Euro Einkommen als Nationalratsabgeordnete zu verzichten. Und als wilde Abgeordnete ist sie ja von so vielen lästigen Pflichten befreit – keine Ausschusssitzungen mehr, kaum noch Reden im Plenum, keine Besprechungen im Klub der Partei. Da bleibt dann umso mehr Zeit und Gelegenheit, durch fremdenfeindliche, islamophobe und andere Religionen beleidigende Sprüche weiter an ihrem politischen Profil zu feilen.

Die FPÖ hat sich also von Frau Winter befreit. Angesichts der jüngsten Befreiungsaktion fragt man sich freilich, weshalb ausgerechnet die FPÖ derart großen Bedarf hat, sich von Mitgliedern und Mandataren zu trennen. Und die Partei ist nicht einmal alle losgeworden, die sich durch sprachliche Fehltritte bloßgestellt haben.

Da gab es Rassisten, Gaskammer-Leugner, „Nazi“-Buchstabierer, begeisterte Anhänger der „Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich und vermutlich noch viele andere. Ganz abgesehen von all jenen, die in der kurzen Periode freiheitlicher Regierungsbeteiligung genug angerichtet haben, um sich nach dem Ende dieser unseligen Ära vor Gericht wiederzufinden.

Man könnte es auch positiv sehen und sagen, die FPÖ habe zwar etliche Personalprobleme, aber gleichzeitig blitzt auch immer wieder der Wille auf, diese Personalprobleme durch einen Parteiausschluss zu bereinigen. Dennoch verwundert, wie es möglich ist, dass eine politische Partei so konsequent Leute rekrutiert, die sich später als ungeeignet, unpassend oder untragbar herausstellen. Ganz abgesehen von jenen Mandataren, die ganz einfachen innerparteilichen Intrigen zum Opfer fallen. Kein Wunder also, dass jetzt schon drei ehemals Freiheitliche als wilde Abgeordnete im Parlament sitzen.

Den politischen Konkurrenten der FPÖ mag diese Entwicklung zur Beruhigung gereichen. Wenn das so weitergeht mit den Parteiausschlüssen aus der Freiheitlichen Partei, dann erinnert das ein wenig an diese alten Filme über den Wilden Westen, in denen sich die Protagonisten duellieren, bis nur noch einer übrig bleibt. Vermutlich wird irgendwann der letzte FPÖ-Politiker den vorletzten FPÖ-Politiker aus der Partei ausschließen.

Leave a Reply